Bewusstlos auf der Straße, ein Sturz beim Sport, ein allergischer Schock: In der ersten Minute eines medizinischen Notfalls kennt niemand die Vorgeschichte der betroffenen Person. Genau in dieser Lücke setzt die Idee der Notfallkarte an – ein kleines, aber wirkungsvolles Werkzeug, das oft falsch verstanden wird.
Der erste Schritt bleibt immer derselbe
Das Österreichische Rote Kreuz ist hier eindeutig: Bei einem medizinischen Notfall zählt zuerst der Notruf 144, ohne Umweg. Wer eine Notfallkarte oder einen Notfallkontakt sucht, bevor der Rettungsdienst alarmiert ist, verliert wertvolle Zeit. Eine Notfallkarte ersetzt also nicht den Griff zum Telefon – sie wirkt danach, wenn Rettungskräfte vor Ort sind oder in der Klinik weiterbehandelt wird und Informationen über die Person selbst fehlen.
Wieso Notfallkontakte am Handy trotzdem sinnvoll sind
International hat sich für genau diesen zweiten Schritt das Kürzel ICE ("In Case of Emergency") etabliert – im deutschsprachigen Raum verwendet das Rote Kreuz stattdessen die Abkürzung "IN" für "im Notfall". Die Idee dahinter: Rettungskräfte sollen Angehörige informieren können, sobald die medizinische Versorgung läuft. Moderne Smartphones bringen dafür inzwischen eigene Funktionen mit – ein Notfallpass, der auch bei gesperrtem Bildschirm sichtbar ist und Angaben wie Blutgruppe oder Allergien enthalten kann.
Was diese Bordmittel nicht abdecken: ob es eine Patientenverfügung gibt, wer eine Vorsorgevollmacht hat, oder wo diese Dokumente überhaupt liegen. Genau diese Lücke schließt eine erweiterte Notfallkarte.
Was auf eine Notfallkarte gehört
Eine sinnvoll befüllte Notfallkarte enthält typischerweise:
- Blutgruppe, Allergien, Dauermedikation
- Chronische Erkrankungen oder Implantate, sofern behandlungsrelevant
- Notfallkontakt(e), die informiert werden sollen
- Hinweis auf Vorsorgedokumente – existiert eine Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht, und wo liegt sie
Diesen letzten Punkt empfiehlt auch das offizielle Gesundheitsportal gesundheit.gv.at ausdrücklich: eine Hinweiskarte, die zumindest auf Existenz und Aufbewahrungsort der Patientenverfügung verweist, weil sie sonst im Ernstfall schlicht übersehen wird.
Wo die Gustav Notfallkarte ansetzt
Die Gustav Notfallkarte im Scheckkartenformat sowie die Sticker fürs Smartphone oder die e-card funktionieren nach demselben Prinzip wie der Notfallpass am Handy – nur eben nicht auf ein einzelnes Gerät beschränkt. Ersthelfer können darüber ein von Ihnen definiertes Notfallprofil auslesen, ohne dass dafür ein Login nötig ist. Was genau darin sichtbar ist, legen Sie selbst fest.
Ergänzend dazu lassen sich mit dem Konnektor-Sticker auch physische Dokumente oder Gegenstände markieren und mit dem jeweiligen Eintrag in der App verknüpfen – etwa der Medikamentenschachtel oder dem Ordner, in dem die Patientenverfügung liegt.
Die Grenze, die bleibt
Eine Notfallkarte kann nur wiedergeben, was zuvor eingetragen wurde, und sie kann eine medizinische Beurteilung vor Ort nicht ersetzen. Sie verkürzt aber genau die Zeit, die Rettungskräfte sonst mit Fragen verbringen, auf die eine bewusstlose Person nicht mehr selbst antworten kann.
